5. Tag: Raus aus dem Rauch – Dubrovnik – Sizilien

Der Blick auf das Sattelitenbild zeigte keine Änderung. Weiter lag die Rauchwolke der Feuer in Mazedonien über der Küste von Dubrovnik bis nach Korfu. Von Linerpiloten hatten wir erfahren, dass die Mächtigkeit bis Flugfläche 100 (3000m) reicht. Also VFR kein Durchkommen nach Südosten. Die morgendliche meteorologische Beratung durch Bernd bestätigte unsere Beurteilung. Also zogen wir eine unserer Alternativen: Italien. Ursprünglich war unser Vorhaben, auf dem Rückflug von Kreta in Korfu die Adria nach Brindisi zu überqueren. Eine Flugstrecke über der Adria von ca. 60 NM. Die jetzige Alternative war die Überquerung der Adria von Dubrovnik nach Foggia, immerhin ein Flug von ca. 100 NM (180km) über offenes Wasser. Einen solch weiten Weg über die offene See hatten wir bisher noch nicht gemacht. Wir beschlossen, diesen Flug so durchzuführen und in Foggia als erstem italienischen Flugplatz zur Durchführung der Zollformalitäten und zum Tanken zu landen. Auf dem Weg zum Flughafen stellten wir schon fest, dass sich die Rauchwolke weiter nach Norden ausgebreitet hatte und uns beim Start schlechte Sichten erwarten würden.

Die Ausreiseformalitäten waren am Flughafen Dubrovnik schnell erledigt, Nochmaliges meteorologisches und Flugsicherheits-Briefing ergaben keine neuen Erkenntnisse. Großzügigkeit der Handlingagentur: wir brauchten für unseren längeren Aufenthalt nichts zusätzlich zahlen.

Unser Flugplan war für 12:30 Uhr aufgegeben. Um 12:10 Uhr hoben wir von der Runway 15 ab und konnten anschließend auf Kurs Italien gehen, aber in 1000 ft. Höhe! Mehr war wegen des anfliegenden IFR-Verkehrs nicht möglich. Wie immer war der Flug so niedrig über der See voller Spannung. Nach einiger Zeit und Entfernung von Dubrovnik konnten wir auf 2000 ft. steigen; auch nicht so viel höher. Und dazu kamen die drastisch verschlechterten Sichten durch die Rauchwolke.  Wir wussten aber aus der Wetterberatung, dass sich diese Situation nach kurzer Zeit ändern würde. Nach ungefähr 20 Minuten Flugzeit begann sich die Sicht zu bessern und unsere Anfrage zum Climb auf FL 85 wurde durch Dubrovnik Radar genehmigt.  

Wir waren nach unserem Steigflug auf ca. 2500 Meter in einer komfortablen Höhe und inzwischen auch bei guter Sicht über der tiefblauen Adria unterwegs und konnten bald die Küste Italiens erkennen. Aber es dauerte doch noch einige Zeit, bis wir wieder Land unter den Flügeln hatten. 100 NM brauchen auch in einem so schönen und schnellen Flieger wie der Dimona ca. 1 Stunde und 10 Minuten.

Der Anflug auf Foggia gestaltete sich unproblematisch. Die zuständigen Flugsicherungsstellen von Amendola-Radar und Brindisi waren sehr kooperativ und gestatten einen Direct-Approach durch die riesige Kontrollzone des Militärflugplatzes von Amendola. Weiterer Flugverkehr war aber auch von uns weder auf den Funkfrequenzen noch in der Luft festzustellen. Wir waren also alleine unterwegs.

Foggia ist ein „Verkehrsflughafen“ mit einer Bahnlänge von 1500 Meter, einem großen, vollständig klimatisierten Abfertigungsgebäude, einem Tower mit Lotsen, einem Meteorologen, Polizei und Zoll, und noch weiterem Personal, aber offensichtlich ohne ersichtlichem Flugverkehr.  

Nach Tanken, meteorologischer Beratung entschlossen wir uns, Italien zu überqueren um anschließend an der Westküste Richtung Süden zu fliegen. In dem leeren Terminal, auf Boden kniend mit allen Karten und EDV ausgebreitete, haben wir Flugvorbereitung abgeschlossen. Diesmal ohne Flugplan.  Unser Ziel: Reggio Calabria. Christian hatte uns diese Platz und die Stadt als besuchenswert empfohlen.

Nach dem Start bei ca. 38 °C und dazu in kuschelige Schwimmwesten gehüllt, und behangen mit allerlei Notfallausrüstung, flogen wir Kurs SW Richtung Salerno. Dabei galt es aber den Apennin mit seine Erhebungen auf Kurs von ca. 2000 m zu übersteigen, was sich allerdings dank Turbolader  in unserer Dimona problemlos gestaltete.

Von Salerno folgten wir der Westküste Italiens Richtung Süden. Die langsam sinkende Sonne tauchte die Küste mit dem dahinterliegenden Apennin in hinreißendes Licht. Faszinierende Eindrücke bleiben in der Erinnerung.

Ein weiteres Highlight erhob sich ca. ½ Stunde bevor wir die Straße von Messina erreichten westlich unseres Kurses aus dem Dunst: die Spitze des Stromboli, einer der wenigen ständig aktiven Vulkane Europas.  Je weiter wir nach Süden kamen, umso besser wurde die Sicht auf die Äolischen oder Liparischen Inseln mit der Hauptinsel Stromboli im Tyrrhenischen Meer. Fotos dazu sind über den Link anzusehen.

Mit der untergehenden Sonne landeten wir auf dem Flughafen Reggio Calabria. Während wir das Flugzeug auftankten und die Formalien am Platz erledigten, kümmerte sich Kerstin um die Buchung eines Hotels für die nächsten beiden Nächte. Vielen Dank dafür.

Den Abend verbrachten wir bei Insalata-Caprese und Pizza mit den Erinnerungen an den berauschenden Flugtag und den vielfältigen Eindrücken.

1.9.12 13:56

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